Der Medizinpsychologe Siegfried Lehrl, 62, von der Universität Erlangen über eine britische Studie, die die Intelligenz von Nationen vergleicht!
Feelgood: Ihr Kollege Richard Lynn von der University of Ulster hält Deutsche – trotz Pisa – für die intelligenteste Nation Europas. Alles Unsinn?
Lehrl: Lynn ist ein renommierter Forscher, der sich ausgiebig damit befasst hat, wie sich die Intelligenz der Völker unterscheidet.
Feelgood: Ist ein solcher Vergleich überhaupt sinnvoll?
Lehrl: Er ist in der Tat schwierig, weil die Zahlen national verzerrt sind. Jedes Land setzt den eigenen Intelligenz-Mittelwert mit 100 Punkten an. Deshalb musste Lynn die Tests auch inhaltlich auswerten und vergleichen.
Feelgood: Und dabei zeigt sich, dass die Deutschen Spitzenreiter in Sachen IQ sind?
Lehrl: Sie waren es. Die Untersuchung, bei der sie einen Spitzenwert von 107 erreichten, stammt aus dem Jahr 1981. Bei einer anderen Studie aus dem Jahr 2001 lag dieser Wert nur noch bei 102.
Feelgood: Es geht also bergab?
Lehrl: Es sieht leider so aus. Es ist erschreckend. Das Land verliert kognitive Substanz.
Feelgood: Führt die moderne Welt zur Verblödung?
Lehrl: Normalerweise ist das Gegenteil der Fall. Das kulturelle Tempo ist heute enorm. Alles geht schnell und hastig, das Gehirn muss ständig reagieren. Das führte dazu, dass der IQ in Deutschland von 1954 bis 1981 um volle 17 Punkte gestiegen ist. Generell gilt: In bäuerlichen Gesellschaften läuft alles ruhiger ab. In Dörfern gehen die Leute sogar langsamer – und sie denken auch nicht so flott.
Feelgood: Dann müssten wir doch gut dastehen.
Lehrl: Ja, aber es kann auch zu schnell gehen. Hektik, zu viele Eindrücke und Bilder, die auf einen einstürmen – all das mindert die Aufmerksamkeit und die Denkkraft. Heute kommt nur noch 20 Prozent von dem, was der Lehrer unterrichtet, auch im Kopf des Schülers an. Ständige Kontrolle durch Handys, E-Mails und SMS laugen die jungen Leute aus und mindern ihre geistigen Kräfte, wie eine psychiatrische Studie der Universität London gerade wieder gezeigt hat.
Feelgood: Lynn bringt auch das Essen ins Spiel.
Lehrl: Gute Ernährung hat deutliche Auswirkungen aufs Denken. Ein Viertel der Deutschen frühstückt heute nicht mehr. Ergebnis: Es fehlt an Glukose und Sauerstoff im Gehirn. Auch Durst mindert die kognitiven Leistungen. Wir haben mit dem Institut für Sporternährung in Bad Nauheim Versuchspersonen in eine Sauna gesteckt und sie einen Liter ausschwitzen lassen. Im IQ-Test waren sie danach deutlich schlechter.
Ihr Gregor Kühni feelgood coaching24 team

